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Meine CD Aufnahmen

Hommage à PARIS

Dirk Altmann, Klarinette
Mako Okamoto, Klavier
Gesa Jenne, Violine
Anne-Maria Hölscher; Akkordeon
Ryutaro Hei, Kontrabass

Aufnahme: 6. – 8.3. 2016 Bügerhaus Backnang | Tonmeister: Andreas Spreer für Eigenart by TACET | Flügelbetreuung: Dietmar Heumann | Instruments: JOSEF MK 11, Okinawa – Lighaphone, Paris

01 Jean-Philippe Rameau Prélude [4:23] 02 Ernest Chausson Andante et Allegro [9:11] 03 Gabriel Pierné Canzonetta [3:16] 04 Paul Dukas Vocalise-étude …alla gitana [4:52] 05 Maurice Ravel Pièce en forme de Habanera [2:55] 06 Giacomo Puccini Musette aus „La Bohème“ [2:21] 07 Claude Debussy Première Rhapsodie [7:53] 08-10 George Gershwin Three Jazz Preludes [6:39] 11-18 Charles Koechlin Le Portrait de Daisy Hamilton [9:55] 19 Erik Satie Première Gnossiennes [4:02] 20-22 Francis Poulenc Sonata pour clarinette et piano [14:47] Total Time [70:24]

Auszüge aus dem Booklet (vollständiges Booklet siehe unten…)

Der erste Funke zu dieser CD zündete wahrscheinlich, als ich als vierzehnjähriger Schüler zum ersten Mal den Gare de l´Est verließ und Paris bei Tagesanbruch betrat. Die sommerliche Morgensonne hüllte die gerade frisch gereinigten Straßen in ein erwartungsfrohes Licht und die ersten Cafés öffneten ihre Türen. Die Geräusche waren noch transparent und die Gerüche verbanden den beginnenden Tag mit der vergangenen Nacht. Diesen ersten Erkundungen folgten bald musikalische Erfahrungen…

Nun ist die Situation eines Klarinettisten speziell – teilt sich die Welt doch in Anhänger der deutschen oder der französischen Klarinette. Und tatsächlich beeinflusst das jeweilige System auch das dazugehörige Repertoire. Mit der Erweiterung meines instrumentalen Spektrums auf beide Systeme, erhöhte sich auch mein Interesse an französischen Werken jenseits von Debussy und Poulenc…

In der Romantik erlangte die Klarinette ihre volle Blüte. Den Erneuerern um Claude Debussy schien dieser Instrumentenklang wohl zu sehr von Schumann und Brahms besetzt, und so ist die Zahl der herausragenden Kompositionen für Klarinette und Klavier sehr überschaubar. Der Komponist, Oboist und Dirigent Heinz Holliger machte mich dann auf Charles Koechlin aufmerksam. Die Freude und Faszination über den „Klangalchimisten“ Koechlin, den neben Debussy und Ravel wohl wichtigsten französischen Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, war so groß, dass ich sein Œuvre für die Klarinette auf CD einspielte (hänsslerClassic 98.446). Otfried Nies, dem unermüdlichen Leiter des Koechlin-Archivs in Kassel (Deutschland!) sei Dank, dass ich auf dieser CD noch unveröffentlichte Musik von diesem großartigen Komponisten präsentieren kann…

Ein großes Vergnügen war die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen Gesa Jenne und Ryutaro Hei, sowie meiner langjährigen Kammermusikpartnerin Anne-Maria Hölscher. Meine uneingeschränkte Bewunderung gilt Mako Okamoto, wie sie mit ihrer souveränen Gelassenheit dieses riesige Programm bewältigte. DANKE auch an Andreas Spreer, der mit seinen Mikrofonschätzchen nicht nur über das ideale Equipment verfügt, sondern auch über das nötige Einfühlungsvermögen und verlässliche musikalische Ohren. Und ohne die handwerklichen und klangsinnlichen Fähigkeiten meines langjährigen Klavierdoktors Dietmar Heumann, wären viele pianistische Nuancen nicht erklungen.

Und dann! Noch eine Aufnahme der Klarinettensonate von Francis Poulenc?!

Die Gewissensbisse waren groß, dieses so strapazierte Werk ebenfalls aufzunehmen. Nachdem ich es seit meiner Studienzeit weitestgehend gemieden hatte, brachte mich die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Georges Prêtre und seine uneingeschränkte Hochachtung für den Menschen und Komponisten Francis Poulenc dazu neu über dessen Werk nachzudenken. Warum nimmt man einem von seiner reichen Familie ausgegrenzten Menschen, der sich durch seine nicht tolerierte homosexuelle Neigung keine privaten Rückzugsmöglichkeiten schaffen konnte, seine tief religiösen Gefühle und die Angst vor Vereinsamung nicht ab? Die Klarinettensonate weist viele Verknüpfungen zu Poulencs Opern Dialogues des Carmélites und La voix humaine auf. Verzichtet man bei der Betrachtung der Klarinettensonate auf die immer wieder beschworene Ironie und die, vielleicht bedingt durch die posthume Uraufführung durch Benny Goodman und Leonard Bernstein, Nähe zum Jazz, bleibt eine sehr berührende, in ihrer melancholischen Einfachheit an Schubert erinnernde (Romanze) und in ihrer Hoffnungslosigkeit zermürbende (Allegro tristamente), sehr traurige Musik, die ihr jähes Ende in einem Tanz mit dem Teufel findet. /Dirk Altmann

Live vom Ferrara Musica 1999

Claude Debussy

Orchestral Works

Radio-Sinfonieorchester Stuttgart | Heinz Holliger

Première Rapsodie | Images pour orchestre | Prélude à L’áprès-midi d’un faune | Rapsodie pour saxophone

Aufnahme: 15.06.2012 Stadthalle Sindelfingen | Tonmeister: Andreas Priemer | Tonongenieur: Wilfried Wenzel | Schnitt: Irmgard Bauer | Instrument: JOSEF MK 11

Weitere CD-Produktionen bei denen ich mitgewirkt habe…

Obgleich der Franzose Charles Koechlin zu den großen „Polystilisten“ der Musikgeschichte gerechnet wird, ein Komponist im Dialog mit den Ahnen, Lehrmeistern und Weggefährten, prägte er in seinem Werk doch einen durchaus eigenen, unverwechselbaren Ton aus. Und der vermag mit der Zeit die Wirkung einer Droge zu entfalten, bekennt der Klarinettist Dirk Altmann. Die Hörer seiner jüngsten CD werden ihm zweifellos beipflichten, denn diese Sammlung ebenso kurzer wie kostbarer Sätze, Stücke und Miniaturen reiht musikalische Glücksmomente aneinander, Augenblicke, denen man unentwegt zurufen möchte: „Verweile doch! Du bist so schön!“

Wolfgang Stähr

10 | 10 | 10, Klassik heute

Charles Koechlin (1867 – 1950)

Music for Clarinet

Florian Henschel, Klavier
Dirk Altmann, Klarinette
Rudolf König, Klarinette
Sibylle Mahni, Horn
Gunter Teuffel, Viola
Johanna Busch, Cello

Aufnahme: Kammermusikstudio SWR 11.03.1999 (No. 1-3, 14-16) 17./18.02.2003 (No. 4-13, 17-36) | Tonmeister: Andreas Priemer (No. 1-3, 14-16), Roland Rublé (No. 4-13, 17-36) | Toningenieur: Christian Leuschner (No 4-13, 17-36) Wolfgang Rein, Arnold Lauer (1-3, 14-16) | Flügelbetreuung: Werner Singer (Pianohaus Fischer) | Instrumente: Buffet Crampon, Paris ELITE (Klarinette) und Steinway & Sons.

Robert Schumann (1810 – 1856)

Kammermusik

Florian Henschel, Klavier
Dirk Altmann, Klarinette und Bassetthorn
Rudolf König, Bassetthorn (Studien)
Gunter Teuffel, Viola (Märchenerzählungen)

Aufnahme: 08. – 10.01 1996 Christophorus-Kirche, Wiesbaden  (Track 6-16) und 06.-07.07.2003 Stadthalle Kirchheim/T. (Track 1-5-; 17-23) | Aufnahemeleitung/Produzent: Andreas Spreer (TACET) | Verwendete Instrumente: Buffet Crampon Elite, Oskar Oehler; Fritz und Herbert Wurlitzer (Klarinetten und Bassetthorn), Steinway & Sons (Klavier), Viola, Mitte 18. Jahrh. Brecia | Klavierbetreuung: Dietmar Heumann | Programmtext: Katharina Eickhoff

Fadensonnen
über der grauschwarzen Ödnis.
Ein baum-
hoher Gedanke
greift sich den Lichtton: es sind
noch Lieder zu singen jenseits
der Menschen.

Durchfahrt, Durchreise, Hinübergehen – die Worte listet das Etymologische Wörterbuch unter dem Begriff „Transit“ auf.Dass der Mensch auf Durchreise ist, dass es Wege in andere Welten geben muss, daran hat Robert Schumann, der passionierte Tischerücker, geglaubt. Dass seine Musik in ihren intimsten Momenten sehnsüchtig dort hinüberblickt, singt und ruft, hört man spätestens, wenn eine Klarinette Schumann spielt. Klarinetten sind seltsame Wesen, sie sind das Instrument des Transit, dem Hermes psychopompos verwandt, dem geheimnisvollen „Seelenführer“ der Antike, der die Lebenden ins Jenseits überführte.

„Dal Niente“ – aus dem Nichts – heißt ein Klarinettenstück Helmut Lachenmanns, und der Titel umfasst alles, was den Klarinettenton ausmacht: Dies Aus-dem-Nichts-Kommen, der Moment, in dem noch Nichts und schon Etwas ist, das Entstehen einer Zwischenwelt, in der ein Ton das klingende Geleit ins Dämmerland der Seele ist. Die Zutaten sind höchst irdisch: Ein bestimmtes Holz, eine bestimmte Rohrstärke, eine gewisse Art der Bohrung, ein einfaches Rohrblatt mit so und so vielen Schwingungen, Obertöne in einer bestimmten Anordnung – und der Klang dann aber doch viel mehr als die Summe seiner Teile. Die Klarinette ist der Mittler zwischen den Welten, wechselt vom Sein zum Nicht-Sein und wieder zurück, sie ist die Flaschenpost von der anderen Seite, ein Gruß aus dem Seelenland. So tönt sie schon dem Sehnsüchtigen in Schuberts „Hirt auf dem Felsen“, dessen Noten der Todkranke noch schnell auf die Post brachte, bevor es ans Sterben ging: „Mein Liebchen wohnt so weit von mir, / drum sehn ich mich so heiß nach ihr/ hinüber…Je weiter meine Stimmt klingt, / je weiter sie mir widerklingt/ von unten.“ Schubert, schon im Transit begriffen, liest vor allem die Worte: „Hinüber!“ und „Von unten!“, und die Klarinette ruft sie, wie sie überhaupt vom ersten Ton an die eigentliche Stimme dieses Stücks ist, nicht mehr von dieser Welt. Das „Drüben“ schwingt mit und verheißt etwas: Wenn Du Dich dieser Schwingung anpasst, wird Dir sterbenswohl…

„Mit sensibler, ja geradezu seismographischer Musikalität ergründen der Klarinettist Dirk Altmann und Florian Henschel am Klavier die späte Kammermusik Robert Schumanns. Sie treffen den Sehnsuchtston dieser poetischen Miniaturen, sie wissen die Atmosphäre von Weltflucht und Nostalgie einzufangen, die labilen Stimmungen, die unmerklich, unbegreiflich aus der schönsten Behaglichkeit in die abgrundtiefe Traurigkeit umschlagen“ 

Wolfgang Stähr

Klassik-heute 10 | 10 | 10

Transit | Text von Katharina Eickhoff

Es muss da eine gemeinsame Frequenz geben.

Eine Schwingung, auf der der hörende Mensch und die Klarinette sich in ihrer Seelenverwandtschaft erkennen.

Eine Klarinette klingt – es wirkt so, als singe die Luft selbst -, und wir verstehen, dass in diesem Ton von uns die Rede ist, von ungesagten Dingen, die in uns liegen und gleichzeitig in ein anderes Gebiet hinüberreichen. Ein Ton, wie von Paul Celan erdichtet:

Solch ein einsamer Grenzgänger, einer auf dem Felsen mit Blick „hinüber“ war Robert Schumann von Anfang an. Den Transit in die Lande der Phantasie und des Traums suchte er schon als Junger, bald auch – Romantiker ganz und gar –  den in die Bewusstlosigkeit und Betäubung, Musik und Alkohol die Verkehrsmittel von Hüben nach Drüben. Schumann war ein Meister der Sprache, wenn es um Musik ging – der geschriebenen Sprache wohlgemerkt, ansonsten war er ein Weltmeister im Schweigen, wie nicht nur Richard Wagner während eines missglückten Kneipenabends erfahren musste. Auch Friedrich Hebbel konstatierte anlässlich eines stattgehabten Nicht-Gesprächs „völlige Unfähigkeit, sich auszusprechen“ bei Schumann: „Ich saß nach kurzer, fast stummer Begrüßung eine Viertelstunde bei ihm. Er sprach nicht und gaffte mich nur an. Auch ich schwieg, um zu erproben, wie lange das dauern werde. Er tat den Mund nicht auf. Da sprang ich wie verzweifelt empor. Auch Schumann langte nach seinem Hute und begleitete mich eine halbe Stunde weit…zu meinem Hotel. Er ging stumm neben mir. Ich tat, grimmig geworden, desgleichen. Beim Hotel angelangt, empfahl ich mich rasch…“.

„Über manche Sachen auf der Welt lässt sich gar nichts sagen“, schrieb Schumann 1835, worauf fünfzig Jahre später Friedrich Nietzsche die böse Sottise erfand, Schumann sei beständig in die „sächische Schweiz“ seiner Seele geflüchtet.

Fest steht, dass Schumann sich aus der unkomfortablen Wirklichkeit immer öfter verschreckt zurückzog in sein Romantikerland der Träume und Märchen, wo „nicht mehr Zahlen und Figuren sind Schlüssel aller Kreaturen“ (Novalis), wo man nicht schwerfällig und ungeschickt unter Menschen herumgehen musste, deren Sprachen und Rituale man nicht beherrschte. Bei Adorno ist die schöne Formulierung zu finden, Schumanns Musik habe den Gestus des „rückwärts Hörens“: In den Märchenlanden herrscht eine andere, schlichtere, wahrhaftigere Sprache, Musik, die nach Liedern klingt, die man in frühen, glücklichen Zeiten irgendwo gehört hat und deren Melancholie nur noch ganz von fern an gehabte Schmerzen erinnert. Sachen, über die „sich gar nichts sagen lässt.“ Robert Schumann dachte in Zwischentönen, von denen er nicht annehmen durfte, dass die Allgemeinheit sie verstehen würde.- „Mitteltinten“: So nennt Christian Friedrich Daniel Schubart den Klangcharakter der Klarinette. Dass dieser Klang mit der Musik Schumanns, des Grenzgängers, gut zusammengeht, versteht sich – auch ohne Worte.

Von den hier versammelten Werken sind nur zwei original für Klarinette gesetzt, und diese beiden, deren Titel verraten, wohin die Reise mit Klarinette für Schumann ging, setzen auch den zeitlichen Rahmen für diese CD: Von den Fantasiestücken op. 73, entstanden in noch hoffnungsfroher Zeit im an Kammermusik so reichen Jahr 1849, hin zu den Märchenerzählungen op. 132 von 1853, ein letzter Sehnsuchtsgriff nach der erträumten Heimat mit schon distanziertem, bisweilen wenig märchenhaftem Unterton, komponiert direkt vor dem endgültigen musikalischen Verstummen und geistigen Rückzug – die Widmung an Albert Dietrich lässt Schumanns schlechten Zustand ahnen: „…zu langer Erinnerung am 20. Februar 1854 (einem guten Tage).“ Im Kammermusik-Umkreis der Fantasiestücke entstanden sind  Adagio und Allegro op. 70, ursprünglich für Horn und Klavier, die in der Klarinetten-“Übersetzung“ glänzend-beweglich und ganz diesseitig erscheinen.

Leyptziger Allerley

Werke für Klarinette, Kontrabass und Klavier von Paul Hindemith

Jutta Ernst: Klavier
Dirk Altmann: Klarinette
Martin Dobner: Kontrabass

Aufnahme: Christophorus Kirche, Wiesbaden | TACET 1997 | Aufnahme und Produktion: Andreas Spreer | Instrumente: Buffet crampon ELITE (Klarinette), Steinway&Sons (Klavier) | Klavierbetreuung: Dietmar Heumann

Musikalisches Blumengärtlein und Leyptziger Allerley 9 Charakterstücke
für Klarinette und Kontrabass
Kontrabaßsonate
Tanzstücke op. 19
Sonate für Klarinette und Klavier (1939)

Das ist eine in jeder Hinsicht erfreuliche, rundum gelungene Produktion: Es werden selten eingespielte Werke bedacht – beim “Musikalischen Blumengärtlein” handelt es sich sogar um eine Ersteinspielung -, die außerordentlich sorgfältig interpretiert werden und alle Musiker als Meister ihres Instruments ausweisen; die Aufnahmetechnik kann in ihrer Prägnanz und Klangtreue als ideal
gelten; die phantasievolle graphische Gestaltung des Booklets paraphrasiert auf ihre Art die Hindemithschen Werktitel, und der ungenannte Verfasser des Booklet-Textes (Christoph Ullrich, Anm. d. Herausgebers) steuert einen ebenso kenntnisreichen wie engagierten und originellen Beitrag bei. Man merkt sogleich, mit wieviel Begeisterung alle an dieser Produktion Beteiligten bei der Sache waren!…”

Giselher Schubert

Giselher Schubert | Fono Forum 10/1997