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Leoš Janáček „Auf verwachsenem Pfade“ für Klarinette und Streichtrio

von | Apr 8, 2017 | Repertoire

Zum 160. Geburtstag

Diese Fassung erklang zum ersten Mal am 22. Juni 2014 beim Podium RSO Stuttgart im weißen Saal des neuen Schlosses in Stuttgart.

Erstaufführung:
Dirk Altmann, Klarinette
Stefan Bornscheuer, Violine
Paul Pesthy, Viola
Fion Bockemühl, Violoncello

Leoš Janáček (1854 – 1928)

„Auf verwachsenem Pfade“ nach dem Klavierzyklus (1900 – 11) für Klarinette, Violine, Viola und Violoncello bearb. von M. Ucki

I. Unsere Abende / Naše večery / Our evenings (1900)
II. Ein verwehtes Blatt / Lístek odvanutý / A blown-away leaf (1900)
III. Kommt mit! / Pojd’te s námi! / Come with us! (1908)
IV. Die Friedeker Mutter Gottes / Frýdecká Panna Maria / The Frýdek Madonna (1900)
V. Sie schwatzten wie die Schwalben / Štěbetaly jak laštovičky / They chattered like swallows (1911)
VI. Es stockt das Wort! / Nelze domluvit! / Words fail! (1908)
VII. Gute Nacht! / Dobrou noc! / Good night! (1900)
VIII. So namenlos bange / Tak neskonale úzko / Unutterable anguish (1911)
IX. In Tränen / V pláči / In tears (1908)
X. Das Käuzchen ist nicht fortgeflogen! / Sýček neodletěl! / The barn owl has not flown away! (1900)

Programmnotizen

zum Downloaden

Noten

newears.edition

Der Klavierzyklus „Auf verwachsenem Pfade“ ist ein idealer Einstieg in die Musik des tschechischen (mährischen) Komponisten Leoš Janáček (1854 – 1928). Die einzelnen Kompositionen der 1. Reihe dieses autobiographisch geprägten Zyklus erstrecken sich von der Jahrhundertwende 1900 bis in das Erscheinungsjahr 1911. Ein direkter Zusammenhang zum Tod seiner erst 20jährigen Tochter Olga im Jahre 1903 ist auf Grund der einzelnen Entstehungsdaten zwar nicht gegeben, doch ist es Janáčeks Eigenart, autobiographische Erinnerungen erst nach einigen Jahren in seine Werke einfließen zu lassen. Exemplarisch geschieht dieses in seinem Bläsersextett „Mladi“ (Jugend) von 1924.

Die Stücke Nr. 1/2/4/7 und 10 entstanden um das Jahr 1900. Janacek wurde gebeten seine umfangreichen Studien der mährischen Volksmusik, in eine Sammlung mit Kompositionen für das in dieser Zeit sehr beliebte Harmonium einfließen zu lassen. Damit war er einer der ersten Komponisten, die sich auf die Suche nach einer eigenen mährische Musiksprache machten. Janaceks Ansatz war dabei, seine Heimatsprache auf Melodie und Rhythmus hin zu untersuchen und diese dann als wesentlichen Bestandteil in seine Kompositionen einfließen zu lassen. Daraus entwickelte sich ein eigener Stil, den wir heute noch in seinen zahlreichen Opern (Jenufa, Das schlaue Füchslein, In einem Totenhaus etc.) bewundern. Die weiteren Stücke dieses Zyklus sind dann original Klavierstücke aus dem Jahr 1908. Janacek hat kurz nach dem Tod seiner Tochter, die Ober Jenufa vollendet und bemühte sich intensiv, nach der Uraufführung in Brünn (1903), um eine Aufführung an der Nationaloper in Prag. Gefruchtet haben seine Bemühungen dann aber erst 1916, nachdem der übermächtige deutsche Einfluss zurückging. Der komplette 1. Band erschien dann 1911.